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Erläuterungen des Künstlers Richard Cox Meine sehr verehrten Damen und Herren, Ich freue mich, dass das, was lange in der Planung war, nun jetzt vollbracht ist. Vor Ihnen hängt das neue Hauskreuz der Petrigemeinde. Das Kreuz war immer für diese Stelle anvisiert und konzipiert worden. Sie hatten vielleicht in letzter Zeit einige unterschiedliche Variationen des Kreuzes aufgehängt gesehen. Diese waren lediglich Attrappen aus Holz, um den Entscheidungs-Prozess zur Gestaltung, Größe und Hängeposition zu optimieren. Das Material des nun fertigen Kreuzes ist einfacher Stahl, Schwarzmetall, Handelsware. In seinem Auslieferungszustand ist es etwas Ursprüngliches, eine dunkle Zünderschicht aus dem Gieß- und Walzwerk der Herstellungsprozesse überlagert das Metall. Spuren der Verarbeitung und Lagerung sind noch zu sehen. Stahl ist etwas Erdverbundenes in seiner Herkunft und Menschliches in seiner Herstellung. Mein Gestaltungskonzept sah vor, dass diese Spuren weggepellt werden sollten, um an die Kernsubstanz des Metalls zu gelangen. Das Metall wird blank gelegt wie die Grundierung einer Leinwand. Es erlaubt mir, die Vorzüge des Metalls hervorzuheben und eine saubere Möglichkeit, die Oberfläche zu behandeln. Ein schweres Material wird leicht. Mein Entwurf entwickelt sich von einem erhabenen Mittelpunkt heraus, ein Focuspunkt wie die Nabe eines Rades. Das Quadrat, als reines Gestaltungselement, ist Ausgangspunkt: an den Seitenlängen des mittleren Quadrats rotieren vier weitere Quadrate, die sich in den senkrechten und waagerechten Balken des Kreuzes weiter entwickeln. Die Quadrate gewinnen an Masse, in dem sie aus massiven Stahlblöcken geformt sind. Die erhabene Mitte steigt stufenartig zurück zu den Kreuzbalken. Die einzelnen Elemente sind aber differenziert präsentiert durch die trennende Raumfuge. Ein hintergelegtes Kreuz dient sowohl als versteckter Konstruktionsträger und Hängevorrichtung als auch als Abstandhalter von der Wand. Es gewinnt dadurch an Tiefe und einen schwebenden Eindruck. Mein Ziel war es, ein für diesen Raum passendes Kreuz zu schaffen. Der Raum ist hell und lichtdurchflutet. Die Architektur hat viele konkurrierende Bauwerkelemente. Das Kreuz sollte stark und selbständig sein, aber nicht als Fremdkörper auftreten. Ein Himmelsblick lässt das Wechselspiel des Himmels erleben. Die blaue Färbung zitiert das kosmische Blau des Himmels und verändert sein Erscheinungsbild je nach Licht. Durch die Oberflächenbehandlung wirkt das Kreuz leicht und lebendig, und reflektiert Licht aus dem Raum sowie das Lichtspiel des Tagesablaufs, ein gewisses Himmelszeugnis wird offeriert. Ich hoffe, ich habe Ihre Erwartungen mit diesem Kreuz erfolgreich erfüllt! Einführungsrede von Pfarrer Röger Sehr geehrte Damen und Herren, Seitdem 1996 das neue Petrushaus eröffnet worden ist, war klar, dass ein Kreuz ins dieses Haus gehört. Es hat allerdings eine Zeit gedauert, bis wir diese Idee dann endlich umgesetzt haben. Im Frühjahr 2003 haben wir den Künstler Richard Cox ins Presbyterium eingeladen. Er hat uns dort einige Vorschläge gemacht. Wir haben dann nach seinen Ideen Modelle anfertigen lassen, die einige Monate hier hingen. Dann haben wir uns für dieses klare, einfache Kreuz entschieden. Die Kirche hat ihre besonderen Dinge immer künstlerisch bewußt gestaltet. Jedes Altarbild, jeder Abendmahlskelch, jedes Kreuz sind auch Kunstgegenstände. Darin zeigen sich Liebe und Ehrfurcht. Besondere Dinge werden besonders schön und wertvoll gestaltet. Und ganz bewußt hat man dabei die Kunst und ihre besonderen Ausdrucksmöglichkeiten herangezogen. Aber natürlich ist ein Kreuz nicht nur ein Kunstgegenstand. Es zeigt jedem Besucher an, das dieses Haus ein Gemeindehaus einer christlichen Gemeinde ist, die sich hier versammelt und versucht, in der Nachfolge des Gekreuzigten zu leben. Durch sein bloßes Dasein enthält es eine Botschaft, stellt es auch eine Herausforderung dar. • Es erinnert an das Leiden Jesu Christi und an menschliche Schuld. Damit steht es für ein bestimmtes Menschenbild: in einem Gemeindehaus treffen sich keine perfekten und fehlerlosen Menschen, sondern Menschen mit Fragen und Sorgen, Nöten und Probleme und suchen hier Trost, Rat, Gemeinschaft und Wegweisung. • Es erinnert an die Einstellung Jesu, der Konflikte nicht gescheut hat, sondern "das Kreuz auf sich genommen hat". So mahnt es uns als Gemeinde, nicht nur uns selbst zu feiern, sondern Gemeinde für andere, besonders für die Schwachen und Entrechteten zu sein. • Es erinnert an die Liebe und an die Macht Gottes. Aus dem Tod - das ist der Kern der biblischen Osterbotschaft - ist neues Leben entsprungen. Deshalb ist das Kreuz kein reines Todeszeichen mehr, sondern Lebenszeichen. Bei diesem Kreuz ist die Mitte besonders gestaltet, der Punkt, wo sich die beiden Achsen treffen. Auch in Städten sind Kreuzungen Mittelpunkte, hier siedelt sich Leben an. Vielleicht kann man es so sagen: Wo Gott und Mensch, Himmel und Erde aufeinander treffen, entsteht Leben in besonderer Intensität und Fülle, geistliches Leben. Das wünschen wir uns auch für unsere Gemeinde. Wir freuen uns, dass ein Kreuz im Petrushaus hängt. Wir freuen uns, dass ein so schönes Kreuz hier hängt. Wir danken dem Künstler für seine Arbeit, dem Küster für seine Mühe bei der Aufhängung und der Fertigung der Modelle, den Spendern für ihre Gaben. Vor allem wünschen wir uns, dass wir im Sinne dieses Kreuzes lebendige Gemeinde in der Nachfolge Jesu Christi bleiben. |