Kolumbarium
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| „Lebende und Tote unter einem (Kirchen-)Dach“ - Neues vom Kolumbarium in St. Pauli (Mai 2009) Es geht voran ... ... und man kann es auch schon sehen! Nachdem im Presbyterium Ende März die Entscheidung für den Entwurf von Architekt Knickenberg gefallen war (die Presse berichtete ausführlich), begann die Detailplanung unter Hinzuziehung von Denkmalamt, Baureferat und Friedhofsdezernat der Landeskirche. Zu diesem Zweck hatte Architekt Knickenberg ein Modell der Stele im Maßstab 1:1 sowie ein Raummodell im Maßstab 1:100 erstellt. Das Modell der Stele steht seitdem im hinteren Teil der St. Pauli-Kirche. Während anhand dieser beiden Modelle bereits viele Punkte vor Ort in der Paulikirche beraten und geklärt werden konnten, besteht bei einigen Detailfragen noch Klärungsbedarf, der in den kommenden Wochen bearbeitet werden wird. Sobald die Planungen abgeschlossen sind, steht die Genehmigung des Umbaus der St. Pauli-Kirche zu gemeinsamer Nutzung als Gottesdienststätte und Friedhof durch das Denkmalamt und die Landeskirche an. Es bestehen gute Aussichten, die erforderlichen Genehmigungen bis zum Sommer zu erhalten und anschließend mit dem Umbau beginnen zu können. Dann könnte die umgebaute Kirche wie geplant im Herbst 2009 (am Ewigkeitssonntag?) wieder eröffnet und das Kolumbarium in Betrieb genommen werden. Grundriss und Raumaufteilung Nach intensiven Beratungen wurde der Grundriss des Kolumbarium modifiziert und der Verlauf der Abtrennung zum Gottesdienstraum durch eine etwa 1 m hohe, zum Gestühl passende Brüstung aus Holz festgelegt. Um einen möglichst großen Teil des mittleren Kirchenraums mit Sichtbeziehung zum Altar weiterhin für die Gottesdienste nutzen zu können, wird das Kolumbarium sich stärker in den hinteren Teil der Kirche und in die Seitenschiffe erstrecken und damit einen u-förmigen Grundriss erhalten. Bei dieser Raumaufteilung stehen beide Teile der Kirche noch intensiver im Dialog, als es durch eine bloße gerade Linienführung „vorne/hinten“ der Fall gewesen wäre. Bei alldem wurde auf eine möglichst günstige Raumwirkung geachtet.
Zugänge Der Zugang zum Kolumbarium geschieht zu den allgemeinen Öffnungszeiten über das Turmportal. Zusätzlich steht ein behindertengerechter Eingang über das Südportal zur Verfügung (nämlich durch eine zweite Tür im geplanten neuen Windfang, s. Modell). Dieser Zugang soll Angehörigen per elektronischem Schlüssel auch außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten zur Verfügung stehen. An dieser Stelle gilt dem Freundeskreis St. Pauli ein herzlicher Dank für die Bereitschaft, den schon länger geplanten Windfang am Südportal zu finanzieren. Stele und Urnenfach Anhand des Modells konnte sowohl die Wirkung der Stelen im Raum beurteilt als auch viele gestalterische Details geklärt werden. Zunächst sollen vier Stelen mit insgesamt 336 Urnenstellplätzen (in 224 Einzel- und Doppelkammern) errichtet werden. Bei Bedarf können zu einem späteren Zeitpunkt weitere vier Stelen ergänzt werden, womit der Maximalausbau erreicht wäre. Bei der Materialwahl spielte der Gedanke der Dauerhaftigkeit und Zeitlosigkeit eine Rolle. Die Stelen werden aus mattiertem Edelstahl bestehen. Die Urnenfächer hingegen werden mit Steinplatten (anthrazit- oder sandfarbene Grauwacke) verschlossen. Diese Steinplatten haben zugleich die Funktion des Grabsteins und enthalten die Grabinschrift, bestehend aus dem Namen des Verstorbenen, seinem Geburts- und Sterbedatum sowie einem einheitlichen Kreuzeszeichen. Sitzgelegenheiten mit Sichtbeziehung zu den Stelen und dem Kirchenraum laden zum Verweilen ein und geben Gelegenheit, die Größe und Ruhe des gotischen Kirchraums auf sich wirken zu lassen.. Ewige Ruhe und Totenbuch Die ewige Ruhe (= der Ort der Ascheurnen nach der 20jährigen Ruhezeit) soll sich ebenfalls im Inneren der Kirche im Bereich des Friedhofs befinden. Sie wird auf der Mittelachse, in Sichtbeziehung zu den Stelen und zum Chorraum mit seinem Altar, unterhalb eines Steintisches eingerichtet. Der Steintisch selbst dient mit der Möglichkeit der Blumenablage und dem Entzünden von Kerzen der persönlichen Andacht, kann aber auch (bei vorangegangener Trauerfeier am Sarg) im Zusammenhang mit der Beisetzung der Urne als Versammlungsort der Angehörigen und als Ort des Gebets dienen. In einem Totenbuch werden die Namen der in St. Pauli Beigesetzten dauerhaft aufbewahrt. Offene Fragen Boden Um die Raumwirkung der Stele in der Kirche beurteilen zu können, mußten bereits die hinteren Bänke abmontiert und eingelagert sowie das Podest gekürzt werden. Leider weist der zutage getretene Steinboden erhebliche Schäden auf und muss überarbeitet, wenn nicht gar erneuert werden. Entsprechende Untersuchungen werden derzeit von einem Steinmetz durchgeführt und anschließend wieder mit Denkmalamt und Baureferat beraten. Bänke und Heizung Eine andere Frage betrifft den gottesdienstlichen Raum. Durch den Einbau des Kolumbariums muß das Holzpodest, auf dem sich die Kirchenbänke befinden (und das die Bodenkälte fernhält), zumindest umgearbeitet und notfalls ganz erneuert werden. Die Kirchenbänke aus dem 19. Jahrhundert sollen dagegen möglichst weiterverwendet werden und nur entsprechend gekürzt werden. Auch hier müssen Fachfirmen aber erst entsprechende Untersuchungen am vorhandenen Material anstellen und Kostenvoranschläge einreichen. Ob die derzeitige, an den Kirchenbänken montierten Heizstrahler weiterverwendet werden können oder andere Lösungen sinnvoller sind, wird derzeit ebenfalls geprüft. Einschränkungen bei der Nutzung der Kirche Bedingt durch die Demontage der hinteren Bänke und das Freilegen des Steinbodens mußte seit Mitte April der hintere Teil der St. Pauli-Kirche für Besucher gesperrt werden; die Gottesdienste am Samstagabend finden jedoch vorerst weiterhin wie üblich statt. Erst wenn der Umbau stattfindet, werden wir – voraussichtlich im Sommer - die St. Pauli-Kirche für einige Wochen schließen müssen und die Wochenschlußgottesdienste vorübergehend in der St. Petri-Kirche abhalten.Wir bitten alle Freunde der St. Pauli-Kirche um Verständnis für diese unvermeidlichen Einschränkungen. Doch besteht dafür die Aussicht auf eine ganz neue, sinnvoll und gestalterisch passend erweiterte St. Pauli Kirche, die durch die doppelte Nutzung als Gottesdienststätte und als Friedhof nicht nur eine gute Zukunftsperspektive haben wird, sondern auch sichtbarer Ausdruck unserer Hoffnung sein wird, dass wir, Lebende wie Verstorbene, stets in Gottes Hand sind und – wie es der 23. Psalm als Hoffnung bezeugt - „bleiben werden im Hause des HERRN immerdar.“. Dr. Christian Welck, Pfr. |